3 Grundlagen

Dichtbänder bestehen vorwiegend aus einem offenzelligen Polyurethan-Schaumstoff als Trägermaterial, in den ein Imprägnat eingebracht wird, das die wesentlichen Eigenschaften des Dichtbandes sicherstellt.

Das Imprägnat bewirkt im Wesentlichen:
  • Verzögerte Rückstellung, was den nachträglichen Einbau in fertige Fugen ermöglicht.
  • Wasserabweisende (abdichtende) Wirkung.
  • UV- und Alterungsschutz des Trägermaterials.
Die Dichtbänder werden in der Regel vorkomprimiert in Rollenform geliefert.

Dabei wird beim Hersteller eine Rohschaumbahn i. d. R. durchimprägniert, auf einen Bruchteil (meist auf 15 bis 25 %) der Ausgangshöhe komprimiert und dann aufgerollt. Diese Groß-Rolle (oder auch Dock genannt) wird dann mit einem Verschlussband fixiert. Die einzelnen Rollen werden anschließend von diesem Dock abgestochen und verpackt.

Dichtbänder verfügen aufgrund ihrer Offenzelligkeit über einen geringen Wasserdampfdiffusionswiderstand, was einen ausgezeichneten Feuchteausgleich beim Einsatz in Fugen im Außenbereich sowie eine Schlagregendichtheit sicherstellt.

Die Dichtbänder sind in verschiedenen Dimensionen lieferbar.
Abbildung 3


Der Lieferzustand der Fugendichtbänder liegt in der Regel knapp unter der unteren Einsatzgrenze,  und die Dichtbänder dürfen sich dann in der Fuge maximal bis zur oberen Einsatzgrenze zurückstellen. Die Toleranzgrenzen werden in der Dimensionsbezeichnung definiert.

Beispiel
Ein Dichtband der Dimension 20/7-12 ist 20mm breit und knapp unter 7mm auf der Rolle und darf in der Fuge maximal 12mm dick werden, damit die Funktion noch sichergestellt ist.

3.1 Auswahlkriterien

Vorkomprimierte und imprägnierte Fugendichtbänder in der äußeren Fuge von Fenstern / Außentüren, Fassade und Außenwand stellen ein Abdichtungssystem dar, welches die Eigenschaften
  • Diffusionsoffen
  • Schlagregensicher
  • Luftdicht
  • Witterungsbeständig
  • Mit anderen Baustoffen verträglich
  • Verarbeitungssicher
  • Dauerbewegungsaufnahmefähig
  • Alterungsbeständig
  • Geringer Wasserdampfdiffusionswiderstand
  • Brandverhalten mind. B2 nach DIN 4102-1
aufweisen muss.

Wichtig
Vorkomprimierte und imprägnierte Fugendichtbänder sind ausdrücklich nicht für Bereiche mit anstauendem Sickerwasser oder stehendem Wasser zulässig. In der Regel ist hier DIN 18195 zu beachten. Eine Anwendung in Fugen, die sich in horizontalen oder wenig  geneigten Flächen befinden, ist daher nicht ohne Weiteres möglich und bedarf daher der Abstimmung mit dem Hersteller.

Diese Systeme werden in DIN 18542 : 2009-07  „Abdichten von Außenwandfugen mit imprägnierten Fugendichtbändern aus Schaumkunststoff – Imprägnierte Fugendichtbänder – Anforderung und Prüfung“ nach Art der Beanspruchung, der sie im eingebauten Zustand ausgesetzt sind, in die Beanspruchungsgruppe BG1, BG2 und BGR nach Tabelle 1 eingestuft.
Tabelle 1 - Beanspruchungsgruppen
Beanspruchungsart Beanspruchungsgruppe
Außenanwendung Innenanwendung
 BG 1
 BG 2  BG Ra
 Fugenbewitterung  hoch gering entfällt
 Schlagregen  hoch gering entfällt
 Tauwasser  gering gering hoch
 Luftfeuchte  langzeitig langzeitig langzeitig
 Luftdichtheit  gering gering hoch
 Fugendichtungsbänder für die Beanspruchungsgruppen BG 1, BG 2 und BG R (siehe Bild 2) erfüllen auch die Anforderungen für die Anwendung in so genannten "Quetschfugen" (b < bL). Fugendichtungsbänder, die nicht den Beanspruchungsgruppen dieser Tabelle entsprechen, werden von dieser Norm nicht erfasst und müssen anwendungsbezogen geprüft werden.
  a   raumseitig

Die technischen Eigenschaften und Anforderungen werden in Tabelle 2 zusammengefasst.

Tabelle 2: Anforderungen
Nr.
Eigenschaft BG 1 BG 2 BG R Prü-
fung
nach
 1a  Fugendurchlass-
koeffizient, a-Wert
 a < 1,0 m³/
{h · m · (daPa)n}
 a < 1,0 m³/
{h · m · (daPa)n}
 a < 0,1 m³/
{h · m · (daPa)n}
 8.2
 1b  Luftdichtheit  a < 1,0 m³/
{h · m · (daPa)2/3}
 a < 1,0 m³/
{h · m · (daPa)2/3}
 a < 0,1 m³/
{h · m · (daPa)2/3}
 8.2
 2  Schlagregendicht-
heit von Fugen bei
p
 ≥ 600 Pa  ≥ 300 Pa  -  8.3
 3  Schlagregendicht-
heit von Fugen-
kreuzungen bei ∆p
 ≥ 600 Pa  -  -  8.4
 4  Temperaturwechsel-
beständigkeit
 von -20 °C bis +80 °C  von -20 °C bis +60 °C  von -20 °C bis + 60 °C  8.5
 5  Beständigkeit gegen
Licht- und Feuchte-
einwirkung
 muss sichergestellt sein  -  -  8.6
 6  Verträglichkeit mit
angrenzenden
Baustoffen
 bis 80 °C  bis 60 °C  bis 60 °C  8.7
 7  Beständigkeit gegen
Tauwasser
 -  -  100 % relative
Luftfeuchte/85 °C
 8.8
 8  Wasserdampfdurch-
lässigkeit,
sd-Wert (sd = μ · tF)
 ≤ 0,5 m  ≤ 0,5 m  ermittelter Wert  8.9
 9  Brandverhalten  B1  B2/E  B2/E  8.10

Es kommen aufgrund der im Regelfall auftretenden Belastungen der Fugen im Außenbereich nur Dichtbänder der Beanspruchungsgruppe BG1 infrage.
Für die Abdichtung von Fensteranschlussfugen mit z. B. Multifunktionsdichtbändern sollten nur
RAL-zertifizierte Produkte mit nachgewiesener Eignung verwendet werden.

3.2 Anforderungen an den fachgerechten Einbau von vorkompromierten und imprägnierten Dichtbändern

Dichtbänder der Beanspruchungsgruppe BG1 sind für die ungeschützte Außenanwendung geeignet. Sie sind schlagregensicher bis zu einem Differenzdruck von mind. 600 Pa

Dichtbänder der Beanspruchungsgruppe BG2 sind ebenfalls für die Außenanwendung geeignet, dürfen aber nur weitgehend abgedeckt vor direkter Bewitterung eingesetzt werden. Sie sollten daher in Verbindung mit z. B. Verleistungen verbaut werden, sie sind schlagregensicher bis zu einem Differenzdruck von 300 Pa.

Dichtbänder der Beanspruchungsgruppe BG R sind speziell für die Raumseite vorgesehen und dichten die Fuge luftdicht ab (a<0,1 m³/[h m (daPa)2/3]) (speziell bei Multifunktionsbändern für die Abdichtung von Fensteranschlussfugen).

3.3 Geeignete Fugenflanken

Im Gegensatz zu Dichtstoffen müssen Fugendichtbänder nicht an Fugenflanken haften, sondern üben permanent einen Anpressdruck, bedingt durch deren Rückstellkraft, auf die Fugenflanken aus und passen sich den Oberflächen weitgehend an. Daraus ergeben sich Einsatzbereiche, für die andere Abdichtungssysteme nicht geeignet sind bzw. nur mit erheblichem Aufwand verwendet werden können.

Beispielsweise auf Untergründen mit geringer Tragfähigkeit. (z. B. nicht perfekt haftende Anstriche).

Die Auflageflächen der Dichtbänder auf den Fugenflanken müssen lediglich dem Anpressdruck der Dichtbänder standhalten, weitgehend eben sein und sollten parallel, also nicht konisch, verlaufen. Unebenheiten mit welliger, weicher Oberfläche können i. d. R. durch das Fugenband innerhalb der vom Hersteller vorgegebenen Toleranz gut ausgeglichen werden. Bei scharfkantigen Versprüngen, Rillen, Riefen und Ausbrüchen in den Fugenflanken ist eine funktionsfähige Abdichtung nicht gewährleistet, was vor Einbau der Dichtbänder einen Oberflächenausgleich durch z. B. einen Glattstrich erforderlich macht.

3.4 Fugenquerschnitt

Absolut unabdingbar für die dauerhafte Funktion von Fugendichtbändern ist die Einhaltung eines Mindestkomprimierungsgrades im eingebauten Zustand.

Dieser Mindestkomprimierungsgrad (max. zulässige Expansion) wird durch die vom Hersteller vorgegebene obere Toleranzgrenze definiert, die niemals überschritten werden darf.

Auch wenn die Dichtbänder noch weiter aufgehen, so ist darüber hinaus definitiv keinerlei abdichtende Wirkung zu erwarten. Für die Abdichtung unterschiedlicher Fugenbreiten stellen die Hersteller überlappende Dichtbanddimensionen bereit.

Diese Vorgaben der Hersteller dürfen unter der Berücksichtigung der zu erwartenden Fugenbewegungen in eingebautem Zustand weder über- noch unterschritten werden. Das gilt ganz besonders im Bereich von Unebenheiten.

3.4.1 Für Fensteranschlussfugen

Die Tabelle 3 gibt hier in Anlehnung zum „Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren“ 2010-03 der RAL Anhaltswerte für die Mindestfugenbreite je nach Rahmenwerkstoff und Elementlänge an. Gegebenenfalls sind diese Werte den Herstellerangaben anzupassen.
Tabelle 3: Anhaltswerte für Fugenbreiten b für Anschlussfugen mit Dichtungsbändern
 Anschlagart          
Mindestfugenbreite für stumpfe
Leibung bSt in mm
Mindestfugenbreite für
Innenanschlag bA in mm
Elementlänge in m
Rahmenwerkstoff  bis 1,5  bis 2,5  bis 3,5  bis 4,5  bis 2,5  bis 3,5  bis 4,5
PVC hart (weiß)  8  8  10  10  8  8  8
PVC hart und PMMA
(dunkel) (farbig extrudiert)
 8  10  10  12  8  8  8
Harter PUR-
Integralschaumstoff
 6  8  8  10  8  8  8
Aluminium-Kunststoff-
Verbundprofile
 6  8  10  10  8  8  8
Aluminium-Kunststoff-
Verbundprofile (dunkel)
 6  8  10  10  8  8  8
Holzfensterprofile  6  8  8  8  6  8  8
bSti    Fugenbreite für stumpfe Leibung, raumseitig
b
Sta   Fugenbreite für stumpfe Leibung, außenseitig
b
Aa    Fugenbreite für Innenanschlag, außenseitig

3.4.2 Für Fassadenfugen

Bei bewegungsausgleichenden Fugen ist die maximal zu erwartende Fugenbewegung zu ermitteln.

Hieraus ergibt sich Mindestfugenbreite und Dichtbanddimension, die unter allen Umständen die zu erwartenden Bewegungen aufnehmen müssen. Ist die vorhandene Fuge zu schmal oder nicht tief genug, ist ggf. die richtige Fugenbreite und Fugentiefe durch Erweitern des Fugenspaltes erforderlich.

Um ein Herausdrehen der Dichtbänder aus den Fugen zu vermeiden, sollte je nach Einbausituation ein Verhältnis Fugenbreite zu Fugentiefe von ca. 0,75 eingehalten werden.

Abbildung 4


Die Fugendichtbänder dürfen im eigebauten Zustand nie „hochkant“ in der Fuge liegen, weil sie dann lageinstabil werden und sich aus der Fuge herausdrehen. Die Dichtbandbreite (Ausfülltiefe der Fuge) sollte also immer größer sein, als die abzudichtende .Fugenbreite (Abstand der Bauteile).
Die Fugen dürfen aus diesem Grund auch nicht konisch sein und die Dichtbänder werden einige Millimeter von der Vorderkante der Fuge zurückliegend eingebaut, um einen sicheren „Sitz“ der Dichtbänder zu gewährleisten.

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