5 Ausführung

5.1 Vorbereitung der Fugen

Sind Fugenflanken mit größeren Profilierungen, Fehlstellen oder Abweichungen von der Parallelität vorhanden, sollten sie entsprechend folgender Arbeitsbeschreibung und den in Bild 2 beispielhaft gezeigten Details so ausgebildet werden, dass der Fugenbereich für den Einsatz der Dichtbänder geeignet ist.
  • Grundsätzlich sind alle Fugen vor dem Einbau der Dichtbänder zu reinigen. Vorhandene Dichtstoff- oder Mörtelreste, Schmutz und andere Fremdkörper sind zu entfernen.
  • Die Fugenflanken sind bei einer eventuellen Fassadensanierung mit einzubeziehen. (Anstriche z. B. vor Einbau der Dichtbänder in die Fuge hineinziehen)
  • Fugen mit unzureichender Fugentiefe oder Fugenbreite sind auf die erforderlichen Maße zu bringen. (z. B. Aufschneiden oder Reprofilieren)
  • Fugen mit einem zu großen Querschnitt oder mit zu großen Maßänderungen oder Abweichungen in der Parallelität, sind entsprechend der Angaben vom Reparaturmörtelhersteller nachzuarbeiten.
  • Bei Anschluss an Mauerwerk oder bei Fugen in diesem ist darauf zu achten, dass zumindest ein Fugenglattstrich vorhanden ist. Sind die Mauerwerkssteine selbst noch an der Oberfläche strukturiert, sind auch diese Strukturen durch einen Glattstrich zu nivellieren.
  • Beim Fenstereinbau ist der Laibungsglattstrich in der Regel obligatorisch.

Fensterfugen

Hinweis zu Multifunktionsdichtbändern:
Multifunktionsdichtbänder haben unterschiedliche Seiten für innen und außen, die entsprechend gekennzeichnet sind.
Die dampfdiffusionsdichtere Seite muss nach innen liegen.

Abbildung 5

Abbildung 6

Abbildung 7

Abbildung 8


Fassadenfugen



Abbildung 9

Abbildung 10

Abbildung 11

Abbildung 12


Achtung
Bei nachträglicher Fassadensanierung (Dichtbänder sind bereits verbaut) dürfen Anstriche, Hydrophobierungen, Reinigungsmittel o. Ä. nicht über die Dichtbänder geführt bzw nicht in die Dichtbänder eindringen. Es kann hier zu schwerwiegenden Wechselwirkungen kommen, welche sogar einen völligen Funktionsverlust der Dichtbänder zur Folge haben können.

Aggressive Chemikalien, wie z. B. Säuren, Laugen oder Lösemittel können die Dichtbänder schädigen oder sogar zerstören.

Farbanstriche, die weit in die Dichtbänder eindringen, führen in der Regel zur Verfestigung und damit zum Verlust der Elastizität, so dass Fugenbewegungen durch die Dichtbänder nicht mehr ausgeglichen werden können.

Aus diesem Grund wird ein Überstreichen von Dichtbändern nicht empfohlen.

Farbliches Angleichen von Dichtbändern kann allenfalls durch „Betupfen“ mit einer verträglichen und lösemittelfreien Dispersions-Fassadenfarbe erfolgen.

Dabei darf kein deckender Anstrich erfolgen, sondern dieser muss die Porenstruktur noch sichtbar lassen. Aufgrund der mangelnden Elastizität von Fassadenfarben ist bei bewegungsausgleichenden Fugen mit einer Rissbildung in der Farbe auf dem Dichtband zu rechnen.

Die Verträglichkeit zwischen Dichtband und Farbanstrich ist mit dem Dichtbandhersteller abzuklären oder durch ausreichende Eigenversuche selbstverantwortlich sicherzustellen.

Unzulässig ist eine nachträgliche Versiegelung von Dichtbändern mit spritzbaren Dichtstoffen im Außenbereich.

Nicht nur, dass damit die Diffusionsoffenheit verloren geht und chemische Wechselwirkungen mit dem aufgetragenen Dichtstoff entstehen können. Auch die Versiegelung wird im Normalfall nicht halten. So kollidiert ein derartiges Vorgehen mit den Grundsätzen der in DIN 18540 beschriebenen anerkannten Regeln der Technik zur Herstellung einer dauerhaften Abdichtung von Hochbaufugen mit spritzbaren Dichtstoffen.

Ebenso ist hier IVD-Merkblatt Nr. 9 zu nennen, das die korrekte Fugenausbildung bei der Verwendung von spritzbaren Dichtstoffen beschreibt.
Nicht ohne Grund werden zur Hinterfüllung von Dichtstofffugen geschlossenzellige, nicht saugende und runde Hinterfüllprofile (Rundschnur) vorgeschrieben.

Die Einhaltung des korrekten Dichtstoffquerschnittes ist dabei ebenso nicht möglich.

Ausnahmen kann es nur nach besonderer Freigabe durch den Hersteller geben, wenn z. B. Multifunktionsbänder bei schwach bewegungsausgleichenden Fugen zur Erhöhung des Schallschutzes zusätzlich mit einem Dichtstoff versiegelt werden sollen.
In jedem Fall ist zuvor Kontakt mit dem Hersteller zu nehmen, um die Dichtbandbreite anzupassen und die Verträglichkeit des aufzutragenden Dichtstoffs mit dem Dichtband abzuklären.

5.2 Verarbeitung von vorkomprimierten und imprägnierten Fugendichtbändern

Als Erstes wird die Fugenbreite festgestellt und die passende Dichtband-Dimension ausgewählt.
Dabei müssen die vom Hersteller angegebenen Toleranzen zwingend das Fugenspaltmaß zuzüglich der zu erwartenden Bewegungen umschließen.
Die Dichtbänder dürfen im eingebauten Zustand niemals die Einsatzuntergrenze unterschreiten oder die Einsatzobergrenze überschreiten.

Beispiel
Die abzudichtende Fuge hat ein Fugenspaltmaß von 10-12 mm, und die zu erwartende Bewegung wird mit +- 1 mm angenommen, so ergibt sich daraus, dass das einzubauende Dichtband minimal 9 mm und maximal 13mm annehmen kann.
Nun ist eine Dichtbanddimension zu wählen, die diese Werte umschließt.
Das wäre z. B. ein Band mit den Toleranzen 8-15 mm.
   
Nach Entfernen des Vorlaufstreifens von der Dichtbandrolle wird der schräg zulaufende Anfang des Dichtbandes abgeschnitten. In der Regel sind das einige wenige Zentimeter, abhängig von der Dicke des Bandes.

Die Verlegung eines Dichtbandes in einer Vertikalfuge wird immer unten begonnen und nach oben fortgeführt. Ein Nachsacken oder Überdehnen der Dichtbänder kann so vermieden werden.

Beim Ablängen des Dichtbandes wird wenigstens ein Zentimeter pro Laufmeter Ist-Fuge dazugegeben.
Bandstöße sind auf Stauch gegeneinander zu verlegen.

Ohne das Material dabei zu dehnen, wird das Dichtband in die Fuge eingelegt. Das Band dabei nicht verdrehen oder in Fugentiefenrichtung stauchen.

Mithilfe eines Spachtels oder einem ähnlichen Werkzeug wird das Dichtband mit der Selbstklebeseite (Montagehilfe) an eine Fugenflanke angedrückt und damit fixiert (s. Bild 13). Ist die Fuge z. B. nass oder staubig, sodass die Selbstklebung nicht haftet, wird das Dichtband mit eventuell kleinen Holzkeilen fixiert, bis es aufgegangen ist und sich an der gegenüberliegenden Fugenflanke abstützt. Danach können die Holzkeile entfernt werden. Die Holzkeile dürfen nur mit der minimal erforderlichen Kraft eingesteckt werden, um das Dichtband an diesen Stellen nicht stark zu komprimieren oder gar zu beschädigen.
Abbildung 13

Abbildung 14


Bei Fugenkreuzungen werden die horizontalen Dichtbänder seitlich stumpf gegen das vertikale gestoßen. (s. Bild 4) Ebenso werden Dichtbänder in Fugen-Ecken immer stumpf gestoßen und niemals um Ecken herumgezogen.

Das Dichtband beginnt mit seiner Rückstellung bereits beim Öffnen der Rolle, was aber aufgrund der rückstellverzögernden Imprägnierung so langsam geschieht, dass genügend Zeit bleibt, das Dichtband von der Rolle in der Fuge zu verarbeiten.

Die Geschwindigkeit, mit der ein Dichtband aufgeht, ist i. d. R. temperaturabhängig.

Bei hohen Temperaturen wird dieser Vorgang beschleunigt und bei niedrigen verzögert.

Aus diesem Grund wird bei hohen Außentemperaturen die kühl temperierte Lagerung der Dichtbandrollen bis kurz vor der Verwendung empfohlen. Sind die Dichtbänder bei der Verarbeitung zu warm, ist ein Einbau nahezu unmöglich, weil sie zu schnell aufgehen.
 
Bei niedrigen Temperaturen ist mit einem langsameren Rückstellverhalten zu rechnen.

Bei Frost stellen sie sich normalerweise gar nicht mehr zurück. Das schadet den Dichtbändern zwar nicht, doch ist beim zur Abdichtung erforderlichen Rückstellverhalten mit keiner abdichtenden Wirkung zu rechnen.

Eine nachträgliche Komprimierung bereits aufgegangener Dichtbänder ist in der Regel nicht mehr möglich, weil die Rohschaumhöhe meist wesentlich größer ist, als die Bandbreite.
Beim Versuch der nachträglichen Komprimierung wird sich die Mitteseele des Dichtbandquerschnittes verwerfen und verdrehen, sodass eine ordnungsgemäße Funktion und Lagestabilität nicht mehr gewährleistet werden kann.

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