2 Europäische Normung

Die Verwendbarkeit von Bauprodukten und Bauarten, die aufgrund baurechtlicher Auflagen Brandschutzanforderungen erfüllen müssen, wurde in Deutschland bisher nach der DIN 4102 mit ihren mehr als 20 Teilen geregelt.
Ziel der EG-Bauproduktenverordnung ist es jedoch, technische Hemmnisse beim Warenaustausch innerhalb der EU abzubauen und eine gegenseitige Anerkennung zu erreichen.

Der Brandschutz wiederum ist eine wesentliche sicherheitsrelevante Anforderung, der zwar zu den wichtigsten Schutzzielen des Baurechts gehört, andererseits aber bisher aufgrund nicht miteinander vergleichbarer Prüfungen und Anforderungen zu großen Handelshemmnissen geführt hat.

Seit dem Jahre 2002 sind daher die bisherigen Anforderungen im deutschen Baurecht um neue europäische Klassifizierungen nach und nach ergänzt worden.

Die Einführung eines europäischen Klassifizierungssystems in das deutsche Baurecht mit den jeweiligen Anforderungen und Zuordnungen in der Bauregelliste ist erfolgt.

2.1 Prüfung von Dichtstoffen

Nach Fertigstellung aller Prüfnormen werden Hersteller und Verarbeiter während einer Übergangsfrist bis zum Wegfall der DIN 4102 zukünftig die Möglichkeit haben, Nachweise zum Brandverhalten oder zum Feuerwiderstand nach DIN EN 13501 zu führen.

DIN EN 13501: Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten liegt in fünf Teilen vor und hat den Status einer deutschen Norm.

Nachweis zum Brandverhalten:

DIN EN 13501-1:Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den
Prüfungen zum Brandverhalten von Bauprodukten

Nachweis zum Feuerwiderstand:
DIN EN 13501-2:Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den Feuerwiderstandsprüfungen,
mit Ausnahme von Produkten für Lüftungsanlagen

DIN EN 13501-3:Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den Feuerwiderstands-
prüfungen an Bauteilen von haustechnischen Anlagen:
Feuerwiderstandsfähige Leitungen und Brandschutzklappen

DIN EN 13501-4:Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den
Feuerwiderstandsprüfungen von Anlagen zur Rauchfreihaltung

DIN EN 13501-5: Klassifizierung mit den Ergebnissen aus Prüfungen von Bedachungen
bei Beanspruchung durch Feuer von außen

Brandverhalten von Baustoffen – bauaufsichtliche Benennungen

DIN EN 13501-1: Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten.
Diese europäische Norm zeigt in der nachfolgenden Tabelle die Zuordnung der deutschen Baustoffklassen zu den europäischen Klassen:

Tabelle 1: Gegenüberstellung der Brandklassen DIN 4102 und DIN EN 13501-1
Bauaufsichtliche Benennungen Zusatzanforderungen

Kein Rauch
Kein brenn Abfallen/Abtropfen Europäische Klasse nach DIN EN 13501-1 Klasse nach DIN 4102-1
Nicht brennbar x x A1 A1
  x x A2-s1 d0 A2
Schwerentflammbar x x B, C-s1 d0 B1
    x B, C-s3 d0
      B, C-s1 d2
      B, C-s3 d2
Normalentflammbar   x

D-s3 d0

E

B2
      D-s3 d2
      E-d2
Leichtentflammbar     F2 B3
(gilt nicht für Bodenbeläge)

(Die Tabelle gibt als Gegenüberstellung nur einen Überblick über eine mögliche Zuordnung, welche Produkte verwendet werden können).



Das bedeutet:
Wird im Rahmen der Bauregelliste bei der Nennung der Norm bzw. Prüfnorm auf den jeweiligen Anhang verwiesen, gelten die Bezeichnungen von DIN EN 13501-1, wenn dies durch eine Prüfung nachgewiesen wurde.
In neuen Anwendbarkeits- bzw. Verwendbarkeitsnachweisen (ABP, ABZ oder ETZ) erscheinen die neuen Normbezeichnungen.

Beispiel:

Anforderung:
  • Normalentflammbare Baustoffe
  • keine Anforderungen an brennendes Abtropfen
  • keine Anforderungen an Rauchentwicklung
Zuordnung:
  • Erfüllt DIN EN 13501-1: E-d2

Werden Anforderungen an d und/oder s gestellt, muss nach DIN EN 13823 geprüft werden.
Neben den Prüfverfahren für die neuen Klassen zum Brandverhalten beschreibt die DIN 13501-1 Zusatzanforderungen, insbesondere
  • Rauchentwicklung s
  • Brennende Abtropfen/Abfallen d

Als Prüfnorm dafür liegt die europäische Norm DIN EN 13823 vor.

Brennendes Abtropfen/Abfallen (d = droplets)

Das brennende Abtropfen/Abfallen ist eine Zusatzanforderung bei der Zuordnung zu den bauaufsichtlichen Benennungen der Baustoffklassen:
Material, das sich während einer Brandprüfung von der Probe löst und für eine Mindestdauer, die im Prüfverfahren angegeben ist, weiterbrennt.
Baustoffe, die nach DIN EN 13501-1 in den Baustoffklassen A2, B, C, D klassifiziert sind, erhalten eine Einstufung nach d0, d1 oder d2.

Die Prüfung erfolgt nach DIN EN 13823.


Tabelle 2: Prüfungen zum Brandverhalten von Bauprodukten (Berücksichtigung der Brandklassen von spritzbaren Dichtstoffen)
Klasse Prüfverfahren Klassifikation Zusätzliche Klassifikation
B

(B1)
DIN EN 13823 und FIGRA
LFS
THR
Rauchentwicklung und brennendes Abtropfen/Abfallen
EN ISO 11925-2
Beanspruchung = 30s

Fs
 
C

(B1)
 
DIN EN 13823 und FIGRA
LFS
THR
Rauchentwicklung und brennendes Abtropfen/Abfallen
EN ISO 11925-2
Beanspruchung = 30s
Fs  
D


(B2)
DIN EN 13823 und FIGRA Rauchentwicklung und brennendes Abtropfen/Abfallen
EN ISO 11925-2
Beanspruchung = 30s
Fs  
E


(B2)
 
EN ISO 11925-2
Beanspruchung = 15s
Fs Brennendes Abtropfen/Abfallen
(Die Angaben in der Tabelle gelten nicht für Bodenbeläge)

FIGRA - Wärmefreisetzungsrate
LFS - Seitliche Flammenausbreitung
THR - Gesamte freigesetzte Wärme während 600s
Fs - Flammenausbreitung (mm)

ETA European Technical Approval

(ETZ - Europäische Technische Zulassung)
Entspricht dem ABZ in Deutschland und wird als Bauteilprüfung bei europäischen Prüf- bzw. Zulassungsstellen ausgestellt.

Feuerwiderstandsklassen von Bauteilen
DIN EN 13501-2 und DIN EN 13501-3 sind seit Januar 2008 bzw. März 2006 eingeführt.

Die Tabelle 1 kann als Anhaltspunkt über die Zuordnung der Feuerwiderstandsklassen nach DIN 4102-2 zu den neuen bauaufsichtlichen Benennungen herangezogen werden.

Prüfnormen zum Brandverhalten von Bauprodukten
DIN EN ISO 1182
Nichtbrennbarkeitsprüfung

DIN EN ISO 9239-1
Bestimmung des Brandverhaltens bei Beanspruchung mit einem Wärmestrahler.

DIN EN 13823
Thermische Beanspruchung durch einen einzelnen brennenden Gegenstand für Bauprodukte mit Ausnahme von Bodenbelägen.

EN ISO 11925-2
Entzündbarkeit bei direkter Flammeneinwirkung.

Rauchentwicklung (s = smoke)
Die Rauchentwicklung ist eine Zusatzanforderung bei der Zuordnung zu den bauaufsichtlichen Benennungen der Baustoffklassen.
Baustoffe, die nach DIN EN 13501-1 in den Baustoffklassen A2, B, C, D klassifiziert sind, erhalten hinsichtlich der Rauchentwicklung eine Einstufung nach
s1, s2 oder s3.

Die Prüfung erfolgt nach DIN EN 13823.

Übersetzungstabellen

Die Tabelle 1 gibt als Gegenüberstellung einen Überblick über eine mögliche Zuordnung der nach DIN EN 13501-1 klassifizierten Eigenschaften zu den bauaufsichtlichen Benennungen der DIN 4102.

2.2 Prüfungen von abgedichteten Fugen

Neben der Prüfung von Dichtstoffen gibt es auch die Möglichkeit, die Fuge in ihrer konkreten Einbausituation zu prüfen – ähnlich wie in Kapitel 2 bei den Feuerwiderstandsklassen beschrieben.

Anwendung finden hier folgenden Normen:
  • EN 1363-1: Feuerwiderstandsprüfungen, Teil 1: Allgemeine Anforderungen
  • EN 1363-2: Feuerwiderstandsprüfungen, Teil 2: Alternative und ergänzende Verfahren
  • EN 1366-3: Feuerwiderstandsprüfungen für Installationen, Teil 3: Abschottungen
  • EN 1366-4: Feuerwiderstandsprüfungen für Installationen, Teil 4: Andichtungssysteme für Bauteilfugen
  • EN ISO 13943: Brandschutz – Vokabular
Das Bauteil wird entsprechend der gewünschten Konfiguration von unten (Boden/Decke) bzw. von der Seite (Wand) beflammt. Die Ofentemperatur folgt dabei einer Normkurve mit zeitlich steigender Temperatur. Gemessen wird die Oberflächentemperatur auf der dem Feuer abgewandten Seite sowie die Durchlässigkeit der Fuge für heiße Brandgase:

Raumabschluss
Dauer in vollendeten Minuten, für die der Probekörper während der Prüfung seine raumabschließende Funktion beibehält, ohne entweder
  • die Entzündung eines angehaltenen Wattebausches zu bewirken oder
  • das Durchdringen einer Spaltlehre zu ermöglichen oder
  • anhaltende Flammenbildung aufzuweisen
Wärmedämmung
Dauer in vollendeten Minuten, für die der Probekörper seine raumabschließende Funktion während der Prüfung beibehält, ohne auf seiner unbeflammten Seite Temperaturen zu entwickeln, die entweder
  • die Durchschnittstemperatur über die anfängliche Durchschnittstemperatur um mehr als 140 °C erhöhen oder
  • die anfängliche Durchschnittstemperatur an beliebiger Stelle um mehr als 180 °C erhöhen.
Entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse hat das Bauteildesign
  • Material und Dicke der tragenden Konstruktion (Beton, Holz, Metall, Gips,…)
  • Breite/Tiefe der Fuge
  • Typ und Menge des Hinterfüllmaterials (Steinwolle, Brandschutzschnur, PE-Rundschnur,…)

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Merkblatt: IVD-Merkblatt 2 - Klassifizierung von Dichtstoffen

Herausgeber:
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Fon: +49 211 904870
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