3 Grundlagen

Fugendichtungsbänder und Multifunktionsdichtungsbänder bestehen vorwiegend aus einem offenzelligen Polyurethan-Schaumstoff als Trägermaterial, in den ein Imprägnat eingebracht wird, das die wesentlichen Eigenschaften sicherstellt.
 
Das Imprägnat bewirkt im Wesentlichen
 
  • verzögerte Rückstellung, was den nachträglichen Einbau in fertige Fugen ermöglicht
  • wasserabweisende (abdichtende) Wirkung (Schlagregendichtheit)
  • UV- und Alterungsschutz des Trägermaterials.
Fugendichtungsbänder und Multifunktionsdichtungsbänder werden in der Regel vorkomprimiert in Rollenform geliefert.
 
Sie verfügen aufgrund ihrer Offenzelligkeit über einen geringen Wasserdampfdiffusionswiderstand und gewährleisten damit einen guten Feuchteausgleich beim Einsatz in Fugen im Außenbereich. Darüber hinaus haben sie optimale Wärmedämmeigenschaften und stellen die Schlagregendichtheit sicher.
 
Fugendichtungsbänder und Multifunktionsdichtungsbänder sind in verschiedenen Dimensionen lieferbar.

Abbildung 3


Der Lieferzustand ist in der Regel knapp unter der unteren Einsatzgrenze und darf sich maximal bis zur oberen Einsatzgrenze zurückstellen. Die Toleranzgrenzen werden in der Dimensionsbezeichnung definiert.
 
Beispiel
Ein Fugendichtungsband der Dimension 20/7-12 ist 20 mm breit und knapp unter 7 mm auf der Rolle stark und darf in der Fugeunter Berücksichtigung thermischer Änderungen der Konstruktion maximal auf 12 mm aufgehen, damit die Funktion noch sichergestellt ist.

3.1 Auswahlkriterien

Fugendichtungsbänder und Multifunktionsdichtungsbänder in der Fuge von Fenstern / Außentüren, Fassade und Außenwand stellen ein Abdichtungssystem dar, welches die Eigenschaften

 

  • Schlagregendichtheit

  • diffusionsoffen/geringer Wasserdampfdiffusionswiderstand

  • Luftdichtheit

  • Witterungsbeständigkeit (UV-Beständigkeit)

  • geringe Wärmeleitfähigkeit

  • Emissionsfreiheit nach z.B. EMICODE EC1plus

  • Verträglichkeit mit anderen Baustoffen

  • Verarbeitungssicherheit

  • Dauerbewegungsaufnahmefähigkeit

  • Alterungsbeständigkeit

  • Brandverhalten mind. B2 nach DIN 4102-1 oder Klasse E nach EN 13501

in Abhängigkeit der Anwendung aufweisen muss.

Wichtig
Fugendichtungsbänder und Multifunktionsdichtungsbänder sind ausdrücklich nicht für Bereiche mit anstauendem Sickerwasser oder stehendem Wasser zulässig. In der Regel sind die Normen DIN 18531 und DIN 18533 zu beachten. Eine Anwendung in Fugen, die sich in horizontalen oder wenig geneigten Flächen befinden, ist daher nicht ohne weiteres möglich und bedarf der Abstimmung mit dem Hersteller.

Diese Systeme werden in DIN 18542 „Abdichten von Außenwandfugen mit imprägnierten Fugendichtungsbändern aus Schaumkunststoff – Imprägnierte Fugendichtungsbänder – Anforderung und Prüfung“ nach Art der Beanspruchung, der sie im eingebauten Zustand ausgesetzt sind, in unterschiedliche Beanspruchungsgruppen nach Tabelle 1 eingestuft.


 
Beanspruchungsart
Beanspruchungsgruppe
Außenanwendung
Innenanwendung
3 Ebenenb
BG 1
BG 2
BG Ra
MF 1
MF 2
Fugenbewitterung
hoch
gering
entfällt
hoch
gering
Schlagregen
hoch
gering
entfällt
hoch
gering
Tauwasser
gering
gering
hoch
hoch
hoch
Luftfeuchte
langzeitig
langzeitig
langzeitig
langzeitig
langzeitig
Luftdichtheit
gering
gering
hoch
hoch
hoch
Wärmedämmung
entfällt
entfällt
entfällt
hoch
hoch
a raumseitig
b Außen- und Innenanwendung sowie Fugendämmung
Tabelle 1: Beanspruchungsgruppen aus DIN 18542:2020-04

3.2 Anforderungen an den fachgerechten Einbau von Fugendichtungsbändern

Fugendichtungsbänder der Beanspruchungsgruppe BG1 und Multifunktionsdichtungsbänder der Beanspruchungsgruppe MF1 sind für die ungeschützte Außenanwendung geeignet. Sie sind schlagregensicher bis zu einem Differenzdruck von mind. 600 Pa und sind in die Brandklasse B1 (DIN 4102) eingestuft.
 
Fugendichtungsbänder der Beanspruchungsgruppe BG2 und Multifunktionsdichtungsbänder der Beanspruchungsgruppe MF2 sind ebenfalls für die Außenanwendung geeignet, dürfen aber nur abgedeckt und damit vor direkter Bewitterung geschützt eingesetzt werden. Sie sollten daher in Verbindung mit z. B. Verleistungen oder überputzt verbaut werden; sie sind schlagregensicher bis zu einem Differenzdruck von 300 Pa und entsprechen der Brandklasse B2 (DIN 4102) bzw. E (EN 13501).
 
Fugendichtungsbänder der Beanspruchungsgruppe BG R sind speziell für die Raumseite vorgesehen und dichten die Fuge luftdicht ab (a<0,1 m³/[h m (daPa)2/3]). Diese Anforderung gilt auch für Multifunktionsdichtungsbänder.
 
Bei Niedrigenergiehäusern oder Passivhäusern kann es zu einer erhöhten Forderung an die Luftdichtheit kommen und die Unterschreitung der Beanspruchungsgruppe BG R notwendig sein. Dies ist mit den Herstellern abzuklären oder u.a. in Prüfberichten nach der ift-Richtlinie MO-01/1 abzulesen bzw. zu bewerten.

 
Eigenschaft
BG 1
BG 2
BG R
MF 1
MF 2
Fugendurchlasskoeffizient
a-Wert
a < 1,0 m/[hm(daPa) n]
a < 0,1 m/[hm(daPa)n]
Luftdichtheit
a < 1,0 m/[hm(daPa) 2/3]
a < 0,1 m/[hm(daPa) 2/3]
Schlagregendichtheit von
Fugen bei Δp
≥ 600 Pa
≥ 300 Pa
-
≥ 600 Pa
≥ 300 Pa
Schlagregendichtheit von
Fugenkreuzungen bei Δp
≥ 600 Pa
-
-
-
-
Schutz der
Funktionsebene
-
-
-
≥ 600 Pa
≥ 300 Pa
Temperaturwechsel-
beständigkeit
−20°C -
+80°C
−20°C -+60°C
−20°C - +60°C
−20°C -
+80°C
−20°C - +60°C
Beständigkeit gegen Licht- und Feuchteeinwirkung
muss sicher-gestellt
sein
-
-
muss sicher-gestellt
sein
-
Verträglichkeit mit
angrenzenden Baustoffen
bis 80°C
bis 60°C
bis 60°C
bis 80°C
bis 6 °C
Beständigkeit gegen
Tauwasser
-
-
100 % relative Luftfeuchte/ 85 °C
Wasserdampfdurchlässig-keit,
sd-Wert (sd = μ⋅tF)
≤ 0,5 m
Ermittel-ter Wert
ermittelte Werte
Wärmeleitfähigkeit λ
-
-
-
Mittelwert Standard-
abweichung
Brandverhalten
B1
B2/E
B2/E
B1
B2/E
Tabelle 2: Anforderungen aus DIN 18542:2020-04

3.3 Geeignete Fugenflanken

Im Gegensatz zu spritzbaren Dichtstoffen im Sinne des IVD-Merkblattes Nr. 9 müssen Fugendichtungsbänder nicht an Fugenflanken haften, sondern üben bedingt durch ihre Rückstellkraft permanent einen Anpressdruck aus und passen sich ebenen Oberflächen weitgehend an. Daraus ergeben sich Einsatzbereiche, für die andere Abdichtungssysteme nicht geeignet sind bzw. nur mit erheblichem Aufwand verwendet werden können, beispielsweise auf Untergründen mit geringer Tragfähigkeit
(z. B. nicht perfekt haftende Anstriche).
 
Die Auflageflächen der Fugendichtungsbänder auf den Fugenflanken müssen lediglich ihrem Anpressdruck standhalten, weitgehend eben und parallel sein. Unebenheiten mit welliger, weicher Oberfläche können i.d.R. durch das Fugendichtungsband innerhalb der vom Hersteller vorgegebenen Toleranz ausgeglichen werden. Bei scharfkantigen Versprüngen, Rillen, Riefen und Ausbrüchen ist eine funktionsfähige Abdichtung nicht gewährleistet, was einen Oberflächenausgleich durch z.B. einen Glattstrich erforderlich macht.

3.4 Fugenquerschnitt

Bei bewegungsausgleichenden Fugen sind die maximal zu erwartenden Fugenbewegungen zu ermitteln.
Hieraus ergeben sich Mindestfugenbreiten und Fugendichtungsbanddimensionen, damit die zu erwartenden Bewegungen dauerhaft aufgenommen werden können.
 
Um ein Herausdrehen der Fugendichtungsbänder aus den Fugen zu vermeiden, sollte je nach Einbausituation ein Verhältnis Fugenbreite zu Fugentiefe von min. 1:1 eingehalten werden.

3.4.1 für Fassadenfugen

Bei bewegungsausgleichenden Fugen sind die maximal zu erwartenden Fugenbewegungen zu ermitteln.
Hieraus ergeben sich Mindestfugenbreiten und Fugendichtungsbanddimensionen, damit die zu erwartenden Bewegungen dauerhaft aufgenommen werden können.
 
Um ein Herausdrehen der Fugendichtungsbänder aus den Fugen zu vermeiden, sollte je nach Einbausituation ein Verhältnis Fugenbreite zu Fugentiefe von min. 1:1 eingehalten werden.

Abbildung 4


Fugendichtungsbänder dürfen im eingebauten Zustand nie „hochkant“ in der Fuge liegen, weil sie dann lageinstabil werden und sich aus der Fuge herausdrehen.
Die Fugendichtungsbandbreite (Ausfülltiefe der Fuge) muss immer größer sein als die abzudichtende Fugenbreite (Abstand der Bauteile).
 
Die Fugen dürfen aus diesem Grund nicht konisch sein. Fugendichtungsbänder müssen einige Millimeter von der Vorderkante zurückliegend eingebaut werden.

3.4.2 für Fensteranschlussfugen

Tabelle 3 gibt Anhaltswerte für die Mindestfugenbreite je nach Rahmenwerkstoff und Elementlänge an. Gegebenenfalls sind diese Werte den Herstellerangaben anzupassen.

Bei Multifunktionsdichtungsbändern ist neben den Fugenflanken je nach Herstellerangaben ein Fugenfüllprofil einzusetzen. Für Multifunktionsdichtungsbänder muss neben der Fugenbreite auch die Fugentiefe beachtet werden, da die Produkte zusätzlich für die „vollständige Fugendämmung“ verantwortlich sind. Eine 100%ige Fugenfüllung ist technisch nicht möglich. Daher gilt hier die Faustformel, dass ca. 90% der Fuge in der Fugentiefe gefüllt sein sollte. 

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