5 Fugenabmessungen und konstruktive Ausführungen

5.1 Fugenabmessungen

Die Fugenabmessungen ergeben sich aus der Summe der Beanspruchungen und den mechanischen Eigenschaften der Baustoffe. Sie sind vom Planer unter Berücksichtigung der Zulässigen Gesamtverformung (ZGV) der vorgesehenen Dichtstoffe festzulegen.

Um eine dauerhafte Flankenhaftung herzustellen, ist im Falle einer Rechteckfuge eine Mindestfugentiefe (tD) von 5 mm einzuhalte

Abbildung 1
Prinzipskizze einer Rechteckfuge


tH = Tiefe der Haftfläche des Dichtstoffs
tD = Tiefe des Dichtstoffs
bF = Breite der Fuge

5.1.1 Dimensionierung des Dichtstoffs für Rechteckfugen

Tabelle 2: Das korrekte Verhältnis zwischen Fugenbreite und Tiefe des Dichtstoffs
Breite der Fuge (bF) 5 mm 6 mm 8 mm 10 mm 12 mm 15 mm
Tiefe des Dichtstoffs (tD) 5 mm 6 mm 8 mm 8 mm 8 mm 10 mm

Das Hinterfüllmaterial begrenzt die Tiefe des Dichtstoffs (tD) und kann sich damit positiv auf den Schallschutz auswirken.

5.1.2 Dimensionierung des Dichtstoffs bei Dreiecksfugen (Dreikantfasen)

Bei Dreiecksfugen ist eine Fugenbreite (bF) von mindestens 5 mm einzuhalten.
Bei der Fugenbreite bF ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Gesamtverformung des Dichtstoffs (Summe aus Stauchung, Dehnung und Scherung) bezogen auf die Fugenbreite bF nicht größer ist als die zulässige Gesamtverformung des Fugendichtstoffs, maximal 25 %.

Das Ausmaß der auftretenden Bewegungen z.B. durch Estrichschüsselungen/ Absenkungen (vor allem bei einem Neubau) kann jedoch deutlich höher ausfallen (in Einzelfällen bis zu 100 %), sodass ein Dichtstoff in jedem Fall überfordert wird und es zu Abrissen oder Kohäsionsschäden kommt, die bei diesen Fugenbreiten nicht vom Verarbeiter beeinflusst werden können.

Abbildung 2
Dreiecksfuge (Dreikantfase)


Tabelle 3: (Auszug aus ZDB-Merkblatt: »Bewegungsfugen in Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten«)
Wandbekleidungen innen         
Am Deckenanschluss, am Anschluss an Bodenbeläge auf Trennschicht und Dämmschicht, bei durchgehenden Belägen in Geschosshöhe (in der Regel an Unterkante Decke), über Wechsel der Untergrundbaustoffe ohne Mörtelträger, Bodenbeläge innen. 5 - 10 mm
• Auf Beton  
An Wandanschlüssen, Pfeilern, Stützen, festen Einbauteilen und den Boden durchdringenden Bauteilen. 5 - 10 mm
• Auf Trennschicht  
An der Feldbegrenzung, Seitenlänge der Felder je nach Estrichdicke 8 - 12 m, an Wandanschlüssen, Pfeilern, Stützen, festen Einbauteilen und den Boden durchdringenden Bauteilen, in Türdurchgängen, bei starken Versprüngen im Grundriss der Fläche, bei Wechsel der Estrichdicke.

Es sollen möglichst gedrungene Felder entstehen.
5 - 10 mm
• Auf Dämmschicht  
An der Feldbegrenzung, Seitenlänge der Felder ≤ 8 m, an Wandanschlüssen, Pfeilern, Stützen, festen Einbauteilen, und den Boden durchdringenden Bauteilen, in Türdurchgängen, bei starken Versprüngen im Grundriss der Fläche, bei Wechsel der Estrichdicke.

Es sollen möglichst gedrungene Felder entstehen.
Feldgrößen von 40 m² sollen nicht überschritten werden.
8 - 10 mm

5.1.3 Berechnung der erforderlichen Fugenbreite

Aus den drei Faktorenkann die zu erwartende Bewegung beerechnet werden:
  • Linearer Wärmeausdehnungskoeffizient (α) des Baustoffs
  • Temperaturdifferenz in °C (ΔT)
  • Länge des Bauteils in mm (L)
Berechnung am Beispiel eines 2 m (2000 mm) langen Elements aus Granit
(α = 8 x 10-6) und einer Temperaturdifferenz von 70 °C ( -20 °C bis +50 °C )

Längenänderung:   8 x 10ˉ6   1/°C  x  70 °C  x  2000 mm = 1,1 mm

Zugelassen für die Abdichtung von Fugen im Sanitär- und Feuchtebereich sind spritzbare Dichtstoffe mit einer Zulässigen Gesamtverformung (ZGV) von 20% bis 25%.

Berechnungsformel:  Längenänderung in mm  x  100
                                                 ZGV des Dichtstoffs


Tabelle 4: Erforderliche Fugenbreiten für spritzbare Dichtstoffe
ZGV 25 % 12,5 %
Fugenbreite für eine Längenänderung von 1,1 mm 5 mm (Mindestfugenbreite) 10 mm


Schlussfolgerung
Um einen elastischen Dichtstoff mit einer ZGV von 25% nicht zu überfordern, muss die Fugenbreite zwischen 2 m langen Granitplatten und einer Temperaturdifferenz von 70°C also mindestens 5 mm betragen.

Bei Dichtstoffen mit einer geringeren ZGV muss die Fuge deutlich breiter ausgeführt werden.

Bei stärkeren Belastungen – z. B. Fußbodenheizung – muss die Fugenbreite bF der Randfuge/Bodenfuge entsprechend größer ausgeführt werden. Die Dimensionierung ist vom Planer vorzugeben.

Für die Ausbildung mechanische und chemisch stark belasteter Fugen speziell im industriellen Bereich wird auf das IVD-Merkblatt Nr.1 verwiesen.

5.2 Ausführung von Bodenfugen

Die nachfolgenden Angaben erfolgen unter der Voraussetzung, dass die Vorarbeiten, z. B. das Verlegen des Estrichs oder das Aufbringen des Belages, unter Beachtung der einschlägigen Regelwerke ausgeführt wurden. Die Verlegung des Bodenbelages auf der Lastverteilungsschicht (Estrich) kann erst nach Erreichen der Belegreife (Herstellerangabe) erfolgen. Die Messung der Restfeuchte hat mit einem CM-Gerät zu erfolgen.
Eine erhöhte Feuchte führt zu Verformungen der Lastverteilungsschicht und damit zu höheren Bewegungen in der Fuge, die zu Abrissen des Dichtstoffs führen können.

Abbildung 3
Abdichtung einer Bodenfuge


Bei Bodenfugen ist vom Bauwerksplaner nach DIN 18560 Teil 2 und Teil 4 ein Fugenplan zu erstellen, aus dem Art und Anordnung der Fugen zu entnehmen sind. Der Fugenplan ist als Bestandteil der Leistungsbeschreibung dem Ausführenden vorzulegen. Näheres dazu siehe BEB Merkblatt – Hinweise für Fugen in Estrichen Teil 2 des Bundesverbandes Estrich und Belag e. V.

Die nachfolgende Tabelle 5 kann vom ausführenden Betrieb zur Überprüfung der Mindestfugenbreite benutzt werden, sie ist keine Bemessungsgrundlage.

Tabelle 5: Fugendimensionierung
Fugenabstand  
  25 %
T = 80 °C Breite / Tiefe in mm
2,0 m 10 / 10
4,0 m 15 / 10
6,0 m 20 / 15
T = 40 °C Breite / Tiefe in mm
2,0 m 10 / 10
4,0 m 10 / 10
6,0 m 15 / 10
T = 20 °C Breite / Tiefe in mm
2,0 m 5-10 / 10
4,0 m 5-10 / 10
6,0 m 5-10 / 10

Hinweise zur Tabelle 5:
∆T ist die Temperaturdifferenz zwischen niedrigster und höchster Temperatur der die Fugen begrenzenden Bauteile.

Beispiele:
  • 80 °C bei ganzjährig im Freien bewitterten Fugen
  • 40 °C bei Fugen in einem Kühlhaus
  • 20 °C bei Fugen in einer normal temperierten Halle
Schnittfugen in der Fläche, als Sollbruchstelle ausgelegt, unterliegen bauteilspezifischen Anforderungen, die bei der konstruktiven Ausbildung der Fuge vom Planer entsprechend zu berücksichtigen sind.

5.2.1 Feldbegrenzungsfugen (Dehnungsfugen im Belag)

Feldbegrenzungsfugen unterteilen den Belag in Felder begrenzter Fläche.
Die Dimensionierung der Felder ist nach DIN 18560 »Estriche im Bauwesen« vom Planer vorzunehmen.

Feldbegrenzungsfugen sind von der Oberfläche des Belages bis auf den tragenden Untergrund oder bis auf die Abdeckung der Dämmung bzw. Abdichtung auszubilden.

5.2.2 Ausführung von Randfugen (Boden/Wand)

Randfugen sind Fugen, die den Belag im Übergang zu Wänden bzw. den Belag durchdringenden Bauteilen begrenzen. Sie sind wie Feldbegrenzungsfugen auszubilden.

Im Randfugenbereich Boden/Wand treten erfahrungsgemäß große Bewegungen auf, die z. T. unkontrollierbarer Art sind, z. B. als Folge von Bauwerkssetzungen oder irreversiblem Schwinden zementgebundener Bauteile (unvermeidbare Verformung von schwimmenden Konstruktionen). Aus diesem Grunde ist es vorteilhaft, den Randanschluss als Rechteckfuge auszuführen.

Abbildung 4
Ausführung einer Boden/Wandfuge


Bei praxisüblicher Verlegung von Platten- und Keramikbelägen im Dünnbettverfahren mit Verbundabdichtungen ergeben sich konstruktiv schmale Fugen.
Die Dreiecksfuge kann hier ausgebildet werden.

Dabei ist jedoch auf eine besonders sorgfältige Beachtung der aufgeführten konstruktiven Ausführungshinweise wie Belegreife des Estrichs und ausreichende Haftflächen für den Dichtstoff sowie eine hohe Zulässige Gesamtverformung (ZGV = 25 %) des Dichtstoffs zu achten.

Randfugen unterliegen bei den unvermeidbaren Verformungen des Estrichs physikalischen Einflüssen. Dadurch können die Fugen reißen, da die Zulässige Gesamtverformung (ZGV) überschritten ist (Wartungsfuge).
Siehe dazu auch IVD-Merkblatt Nr.15 – Die Wartung von bewegungsausgleichenden
Dichtstoffen und aufgeklebten elastischen Fugenbändern.

5.3 Ausführung von Wandfugen

Anschlussfugen können zwischen Belägen bzw. Bekleidungen und angrenzenden Bauteilen sowie festen Einbauten erforderlich sein. Sie werden in der Regel in der Dicke des Belagstoffs, falls erforderlich jedoch bis auf die Ansetz- bzw. Verlegefläche ausgeführt (Auszug aus dem ZDB-Merkblatt »Bewegungsfugen in Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten«).

Je nach Anschluss kann die Verwendung eines geeigneten, geschlossenzelligen Hinterfüllmaterials erforderlich sein.

5.3.1 Anschlussfugen im Eckbereich Wand (Eckfugen)

In senkrechten Innenecken sind Anschlussfugen vorzusehen und elastisch abzudichten. Da in der Regel nur geringe Fugenbewegungen auftreten, reicht die Ausführung als Dreiecksfuge aus. Sind größere Bewegungen zu erwarten, sind Rechteckfugen auszubilden.
Abbildung 5
Abdichtung einer Anschlussfuge Wand/Wand


5.3.2 Anschlussfugen Wand / Decke

Die Ausbildung von Anschlussfugen zwischen Wandbelag und Decke kann erforderlich sein, soweit mit Spannungen und/oder Belastungen zu rechnen ist.

5.4 Fugenausführung an sanitären Einrichtungsgegenständen

5.4.1 Anschlussfugen

Anschlussfugen an sanitären Einbauten, wie z. B. Waschtisch, Bidet, WC, Urinal etc., sind in der Regel geringen Bewegungen ausgesetzt. Die Abdichtung in Form einer Dreiecksfuge ist ausreichend.

Abbildung 6
Abdichtung einer Duschabtrennung als Dreiecksfuge (Dreikantenfase)


5.4.2 Bewegungsfugen an Wannen mit Hinterfüllmaterial und spritzbaren Dichtstoffen

Bade- und Duschwannen müssen so standfest installiert werden, dass der Dichtstoff in der Anschlussfuge bei bestimmungsgemäßer Nutzung (Belastung) nicht über den Wert seiner Zulässigen Gesamtverformung (ZGV) hinaus gedehnt und gestaucht wird.
Es empfiehlt sich, schwundfreie Trägersysteme unter den Wannen einzusetzen, um
Fugenabrisse zu vermeiden (näheres dazu siehe auch IVD-Merkblatt Nr.3, Teil 2)
Eine Lastfallprüfung ist vor der Verfugung vorzunehmen. In der Praxis hat es sich bewährt, die Wanne zu befüllen (belasten), bevor die Anschlussfuge abgedichtet wird.

Die Anschlussfuge ist so auszubilden, dass von der Wand ablaufendes Wasser zügig in die Wanne geführt wird.
Da insbesondere bei Acrylwannen wegen ihrer höheren Verformung eine größere Haftflächenbreite zu empfehlen ist, aus optischen Gründen aber meist abgelehnt wird, ist speziell diese Fuge unter dem Gesichtspunkt einer Wartungsfuge zu betrachten.

Abbildung 7
Anwendungsbeispiel für Wannenanschlussfugen, beispielhafte Installation mit Wandanker


5.4.3 Bewegungsfugen an Wannen mit flexiblem Zargenband (Wannenrand-Dichtband) kombiniert mit spritzbarem Dichtstoff

Ein flexibles Zargenband (Wannenrand-Dichtband) nimmt Bewegungen auf, sollte eine Körperschallentkopplung bieten und ist für die Montage an dem wandseitigen Wannenrand vorgesehen.

Zu dem entsprechenden System und dem Einsatz an Wannen und Duschtassen gibt das IVD-Merkblatt Nr. 3 Teil 2 (in Vorbereitung) ausführliche Auskunft.

Abbildung 8
Beispielhafte Einbauvariante Bade- oder Duschwanne, hier mit einem flexiblen Zargenband


5.4.4 Anschlussfugen an andere Bauteile

Anschlussfugen dieser Art treten zwischen Belägen und Bekleidung und angrenzenden Bauteilen auf, z.B. Türen, Fenstern, Rohrdurchführungen. Sie werden in der Regel in der Dicke des Belagstoffs, falls erforderlich jedoch bis auf die Ansetz- bzw. Verlegefläche ausgeführt.

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