5 Arbeitsschritte

Folgende Arbeitsschritte müssen vor Beginn der Arbeiten berücksichtigt werden:
  • Begutachtung und Erkennung der Schadensursache
  • Erkennen des alten, vorhandenen Dichtstofftyps (Abdichtungsmateriales)
  • Fugenkonstruktion gemäß vorliegender Technischer Richtlinien (z. B. DIN 18540)
  • Auswahl des neuen Abdichtungssystems
  • ggf. Fugenreprofilierung
  • Arbeitsschutz und Entsorgung (z. B. Asbest, PCB, TRGS 519, ...)

5.1 Begutachtung und Erkennung der Schadensursachen

Eine defekte Fugenabdichtung mit spritzbaren Dichtstoffen zeigt eine Vielfalt von Schadensbildern, die grundsätzlich in:
  • Adhäsionsrisse (Abriss des Dichtstoffs von der/den Fugenflanken)
  • Kohäsionsrisse (Risse im Dichtstoff)
  • Sonstige Schäden des Dichtstoffs und der Fugenrandbereiche (z. B. Verfärbung, Ablagerungen)
unterteilt werden können.

Zur Erleichterung einer Schadenserkennung sind die wichtigsten Ursachen aufgeführt:

5.1.1 Adhäsionsrisse

Abbildung 14
Adhäsionsschaden (Abriss des Dichtstoffs von der Haftungsflanke)


Die wesentlichen Ursachen:

  • Überforderung der Dichtstoffeigenschaften, durch zu große Fugenbewegungen
  • Unzureichende Festigkeit der Fugenflanken
  • Unzureichende Tragfähigkeit der Fugenflanken
  • Ungeeignetes Hinterfüllmaterial
  • Unverträglichkeit mit Baustoffen
  • Unverträglich mit Beschichtungen an den Fugenflanken (mangelnde Haftung, Weichmacherwanderung)
  • Zu hohe Untergrundfeuchtigkeit
  • Mangelhafte Reinigung der Fugenflanken
  • Mangelhaft entfernte Reste alter Dichtstoffe
  • Keine oder falsche Vorbehandlung (Primer)

5.1.2 Kohäsionsrisse

Abbildung 15
Kohäsionsschaden (Risse im Dichtstoff)


Wesentliche Ursachen:

  • Zu geringe Fugenbreite
  • Stark schwankende Fugenbreiten
  • Keine parallelen Fugenbreiten
  • Falsch eingesetzter Dichtstoff, zu geringe Bewegungsaufnahme
  • In Gebäudetrennfugen eingesetzter spritzbarer Dichtstoff
  • Mangelhafte Fugendimensionierung des eingesetzten Dichtstoffs, z. B. zu dünn ausgespritzt (mangelhafte Tiefe des Dichtstoffs)
  • Ungleichmäßige Tiefe des Dichtstoffs
  • Dreiflankenhaftung
  • Fehlende Hinterfüllung
  • Falsche Hinterfüllung
  • Ungeeignete Fugenform (Dreiecksfase)
  • Zerstörung durch äußere Einflüsse (Feuchtigkeit, mechanisch)
Kann die Schadensursache im Vorfeld ermittelt werden, ist die Gefahr eines erneuten Schadens deutlich minimiert.
Ist aus der Schadensursache zu entnehmen, dass ein spritzbarer Dichtstoff überfordert wird, muss ein anderes Abdichtungssystem in Betracht gezogen werden.

5.1.3 Sonstige Schäden des Dichtstoffs und der Fugenrandbereiche

  • Verfärbung des Dichtstoffs
  • Erweichung des Dichtstoffs
  • Verschmutzung der Fugenrandbereiche
  • Verfärbung der Fugenrandbereiche
  • Vandalismusschäden
  • Schimmelbildung
  • Zerstörung durch z. B. Vogelfraß

5.2 Erkennung des vorhandenen Dichtstoffsystems

Die einzelnen Dichtstoffsysteme lassen sich als erste Vorprüfung am Bau durch die Kombination von Geruch und Aussehen/Beschaffenheit der Flamme erkennen.
Auch ein Ausschlussverfahren einzelner Typen führt ggf. zum Ergebnis, welcher Dichtstofftyp eingesetzt wurde.

In jedem Fall ist es ratsam, eine durchgehärtete Vergleichsprobe des vermuteten Materials gleichzeitig zu beurteilen.

Tabelle 1: Erkennungsmerkmale von spritzbaren Dichtstoffen
Dichtstoff-System Brennbarkeit (in ausgehärtetem Zustand)
Geruch
Acrylatdispersion Relativ schwer brennbar kleine gelbe Flamme Nicht charakteristisch
Leicht süßlich
Hybrid-Polymer Relativ leicht zu entzünden flackernde, knisternde, gelbe, schwach rußende Flamme, hellgrauer Rauch, hellgraue Asche Untypisch, süßlich
Polysulfid Gelbe Flamme Typisch, stark schwefelartig
Polyurethan Gelbliche Flamme, stark rußend Stechend, nicht charakteristisch
Silikone Relativ schwer zu entzünden, glimmend, weißer Rauch, weiße -flockige Asche Gering, untypisch

Ist das eingesetzte Dichtstoffsystem bekannt oder kann ermittelt werden, ist es
immer ratsam, eine Sanierung, sofern erneut ein spritzbarer Dichtstoff zum Einsatz
kommen kann, mit dem gleichen Rohstoffsystem durchzuführen, es sei denn, eine
falsche Dichtstoffauswahl hat zu dem Problem geführt.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Problematik einer ggf.mangelhaften Haftung verschiedener Systeme untereinander.
Da es aufgrund der Fugenkonstruktion oder Lage der Fuge nicht immer möglich sein wird, alle alten Reste restlos zu entfernen, ist der Einsatz eines neuen Dichtstoffs sorgfältig abzuwägen.


Tabelle 2: Haftung von frischem auf gealtertem Dichtstoff
Neuer Dichtstoff  Vorhandener (alter Dichtstoff)
  Silikon Polysulfid
PUR Hybrid-Polymer Acrylatdispersion
Silikon

Zeitabhängig: frisch = gut gealtert = mäßig

  - E - E  
Polysulfid   Mäßig   Mäßig Schlecht
PUR   Gut Gut Schlecht  
Hybrid-Polymer   Mäßig - E Gut - E
Acrylatdispersion         Gut

E = Eignung vom Hersteller bestätigen lassen

5.3 Fugenkonstruktionen

Die für den Einsatz von spritzbaren Dichtstoffen und anderen Abdichtungssystemen erforderlichen Fugenkonstruktionen sind in verschiedenen technischen Regelwerken (IVD-Merkblätter, Normen, Branchen-Informationen) vorgegeben und müssen beachtet werden.

5.4 Auswahl des neuen Abdichtungssystems

Grundsätzlich stehen folgende Abdichtungssysteme für eine Fugensanierung zur Verfügung:
  • Spritzbare Dichtstoffe
  • Elastomer-Fugenbänder
  • Vorkomprimierte und imprägnierte Fugendichtbänder
  • Butylbänder
Die Auswahl erfolgt nach der Schadensanalyse, um die Fugensanierung so erfolgreich wie möglich durchzuführen.

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