5 Eigenschaften

5.1 Allgemeine Eigenschaften

Butylbänder weisen viele gemeinsame charakteristische Merkmale auf:
  • Anwendungsfertige, nichtreaktive Bänder, die ihre Eigenschaften über viele Jahre praktisch nicht verändern
  • Viele Eigenschaften der Butylbänder sind variabel einstellbar, von zähhart bis sehr weich und von nicht klebrig bis extrem klebrig, sowie mit den typisch plastischen Merkmalen bis zu geringfügig ausgeprägten elastischen Eigenschaften
  • Äußerst niedrige Wasseraufnahme, deshalb auch für korrosionsschützende und feuchtigkeitsschützende Abdichtungen geeignet
  • Butylbänder weisen eine relativ niedrige Wärmeleitfähigkeit auf, können aber in Grenzen wärmeleitfähiger eingestellt werden
  • Sie zeichnen sich durch eine hervorragende Wasserdampfdichtigkeit aus
  • Butylbänder sind physiologisch unbedenklich und umweltfreundlich
  • Selbstverschweißend und nach der Verarbeitung sofort funktionstüchtig
  • Volumenbeständig, lösemittefrei und nahezu geruchlos
  • Alterungs-, witterungs-, ozon- und UV-beständig, wurzelfest
  • Unter üblichen Lagerbedingungen praktisch jahrelang lagerfähig
  • Gute Dämpfungseigenschaften gegen Stoß- und Schwingungsenergie
  • Hervorzuheben ist die ausgezeichnete Verträglichkeit mit Metallen, Beton, Mauerwerk, Holzwerkstoffen, Glas, Hart-PVC, Polyacrylat, Polycarbonat, Polyester, weichmacherfreien Folien und mit Bitumen
  • Die Verträglichkeit von Butyldichtungsmaterialien mit Bitumen oder bitumenhaltigen Baustoffen ist allerdings objektbezogen zu bewerten, da es im Einzelfall zu Haftverlusten des Abdichtungsmaterials, zu Verfärbungen im Material bzw. an der Oberfläche oder zu Erweichungen des Butylmaterials kommen kann, sind Einzelprüfungen erforderlich. Die Eignung eines Butyldichtungsmaterials mit Bitumen ist mit dem Hersteller abzustimmen, sofern keine klaren diesbezüglichen Empfehlungen vorliegen. Im Allgemeinen weisen Butylbänder und -profile auf bituminösen Untergründen eine gute Haftung auf
  • Überstreichbar mit lösemittelfreien Beschichtungsstoffen
  • Überputzbar mit normgerecht hergestellten Putzen und Schichtdicken
  • Chemikalienbeständig gegen Laugen und bedingt gegen Säuren
  • Das Temperaturverhalten ist typisch thermoplastisch, d. h. mit zunehmender Temperatur stellt sich eine zunehmend weichere Materialkonsistenz ein
  • Standard-Butylbänder entsprechen der Baustoffklasse B2 nach DIN 4102-1
  • Butylbänder dichten bei ausreichender Schichtdicke zuverlässig gegen Radon ab
  • Butylbänder können je nach Rezeptur hohe elektrische Isolationswerte aufweisen

5.2 Spezifische Materialeigenschaften

Da es durch die Rezeptur- und Formulierungsvielfalt keine allgemeingültigen exakten Zahlenangaben zu spezifischen technischen Eigenschaften geben kann, können die nachfolgenden Angaben nur zur Orientierung mit „von-bis-Werten“ genannt werden.

Tabelle 3: Spezifische Materialeigenschaften von Butylbändern
Spez. Gewicht 1,1 bis 1,9 g/cm3
Druckfestigkeit 0,02 bis 0,8 N/mm2
Shore 00 Härte 20 bis 80  
Wasserdampfdiffusionswert 0,1 bis 0,3 g/m2.d
Wärmeleitfähigkeit 0,18 bis 0,3 W/m.K
Zul. Gesamtverformung 4 bis 10 %
Spez. Durchgangswiderstand 1012 bis 1015    .cm
Zündtemperatur ca. 440 oC
Festkörpergehalt 98 bis 100 %


5.3 Hinweise und Anwendungsgrenzen

Für zu planende Abdichtungen mit Butylbändern sind neben den Herstellerangaben nachfolgende Hinweise bzw. Anwendungsgrenzen zu beachten:
  • Trotz der guten Temperaturbeständigkeit, von etwa -50 °C bis über +100 °C, zeigt sich jedoch bei extremen Temperaturen der typisch thermoplastische Charakter.
  • Die plastischen Butylbänder dürfen im eingebauten Zustand nicht dauerhaft unter Zug- und Druckspannung stehen, da sich sonst eine irreversible Verformung der Bänder einstellen wird.
  • Das Rückstellvermögen der Butylbänder wirkt nur kurzzeitig, es tritt ein spürbar schneller Kraftabbau ein und es werden nur geringe Zugspannungen bei Dehnbeanspruchung der Butylbänder aufgenommen.
  • Eine vorherige Eignungsprüfung auf Weichmacherwanderung ist bei Abdichtungen auf Kunststoffen und Lacken zu empfehlen, da schädliche Wechselwirkungen auftreten können.
  • Mit Dicht- oder Klebstoffen, die aggressive Lösemittel oder ungeeignete Weichmacher enthalten, können Klebrigkeiten, Verfärbungen und Anlöseerscheinungen an den Bändern entstehen.
  • Die mit Vlies kaschierten Bänder können, gemäß Hersteller-Empfehlungen, bei freiliegenden witterungsabhängigen Anwendungen mit Zinkstaub oder wetterfesten Dispersionsfarben überstrichen werden.
  • Da die Butylbänder in der Regel flexibler als Farbbeschichtungen und Putze sind, können bei Dehnbeanspruchungen Risse in Farbe und Putz entstehen.
  • Je nach Rezeptureinstellung können Butylbänder unterschiedliche Eigenklebrigkeiten aufweisen und damit passend auf das jeweilige Substratmaterial abgestimmt werden.
  • Der Haftungsaufbau auf dem Substrat erfolgt rein physikalisch, sodass bei geforderter schneller Funktionsfestigkeit eine hohe Oberflächenklebrigkeit (Tack) der Bänder gegeben sein sollte.
  • Butylbänder mit niedriger Oberflächenklebrigkeit bauen erst nach einigen Stunden eine ausreichende Haftung auf, die mit kräftigem Andrücken oder Anrollen auf dem Substrat verbessert werden kann.
  • Eine totale Verpressung der Bänder muss vermieden werden, deshalb müssen Maßnahmen für eine permanente Abstandhaltung getroffen werden.
  • Bei kritischen Verklebungen im Überkopf- und vertikalen Bereich kann aufgrund des evtl. eintretenden kalten Flusses eine zusätzliche mechanische Befestigung erforderlich werden.
  • Die gute Verträglichkeit zu hochwertigen Dichtstoffen ermöglicht vielfältige Kombinationen mit anderen Abdichtungssystemen (Herstellerangaben beachten).
  • Butylbänder sind gegen die meisten organischen Lösemittel empfindlich.
  • Scharfkantige Ecken und Nahtstellen sollten vor dem Überkleben abgerundet werden, um ein Durchstoßen bzw. Abreißen des Butylbandes zu verhindern.
  • Bei Querverlegungen im Dachbereich oder in Vertikallagen können die Bänder durch Schnee-, Regen- und Eislasten ggf. vom Untergrund abgedrückt werden. Besteht diese Gefahr, ist ein zusätzlicher Kantenschutz erforderlich.
  • Butylbänder sind keine Befestigungsmittel und müssen deshalb durch geeignete mechanische und/oder konstruktive Maßnahmen am Objekt gesichert werden.
  • Hohlstellen, Knicke und Falten im Butylband sind bei der Verlegung zu vermeiden.
  • Fugenabdichtungen im Dach- bzw. Hochbaubereich, die der DIN 18540 entsprechen müssen, dürfen nicht mit Butylbändern, z. B. wegen ihrer plastischen Eigenschaften, ausgeführt werden.
  • Bei Abdichtungen von Fenster- und Türanschlüssen an Balkone, Außentüren oder Terrassen sind die Vorschriften der DIN 18195 zu beachten.
  • Bei nachträglichen Verschraubungen durch die Butylbänder hindurch, sind die Schraublöcher vorher mit ca. 4 mm Durchmesser durchzustanzen.

Herausgeber:
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